Benneckenstein

Bauschild BenneckensteinAuf der Klippe stand schon seit dem 17. Jahrhundert der Glockenturm. An ihn wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts unsere heutige Laurentiuskirche im neugotischen Stil angebaut. Ein großer heller Raum, der bis auf das Fester mit dem guten Hirten im Altarraum ohne Prunk auskommt, öffnet sich dem Besucher, der durch einen Verbinder zwischen Turm und Kirchenschiff eintritt. Der Einbau einer Fußbodenheizung ermöglicht die ganzjährige Nutzung. Die Reubkeorgel ist weit über die Grenzen unserer Stadt bekannt. Ungewöhnlich ist, dass die Kirche gedreht ist, das heißt, der Altar steht im Westen. Nähere Informationen zur Baugeschichte finden sie weiter unten auf dieser Seite.

Seit dem Jahr 2014 gehört Benneckenstein und auch Sorge, wo es keine Kirche gibt, zum Pfarrbereich. Ulrich Stabe war der letzte Pfarrer, der in Benneckenstein wohnte. Deshalb hat der Kirchenvorstand im Jahr 2014 beschlossen, Pfarrhaus und Gemeindesaal zu verkaufen, um Baulasten zu reduzieren, und mit der Gemeindearbeit in die Kirche umzuziehen.

Unter der Orgelempore der Laurentiuskirche und in dem dann geöffneten Verbinder soll ein Mehrzweckraum, eine kleine Küche und eine Toilettenanlage entstehen. Als gelungenes Beispiel darf der Ort Königshütte im Pfarrbereich dienen, wo sehr gute Erfahrungen mit einem ganz ähnlichen Vorhaben gemacht worden sind.

Flyer der St. Laurentius Kirche in Benneckenstein

Baugeschichte

Die erste Kirche des Ortes befand sich an der Stelle des heutigen Andreas-Werckmeister-Denkmals in der Unterstadt und soll im 15. Jahrhundert von Walkenrieder Mönchen erbaut worden sein. Sie wurde dem Schutzheiligen Der Berg- und Hüttenleute, dem Märtyrer Sankt Laurentius geweiht. Die Kirche, wie auch große Teile des Ortes, gingen im Juli 1627 im Zuge einer Strafexpedition gegen die Harzschützen durch Tilly und seine Truppen in den Flammen des Dreißigjährigen Krieges unter.

Noch im Dreißigjährigen Krieg erfolgte ein Neubau. Die zweite Kirche wurde 1642 eingeweiht. Bereits 1649 musste sie wegen Baufälligkeit abgetragen werden. Der Gottesdienst wurde nun im Ratskeller abgehalten.

Die dritte Kirche zu Benneckenstein wurde nach dreijähriger Bauzeit 1852 fertiggestellt und am 5. September mit einem Festgottesdienst durch den Superintendenten der Provinz Sachsen, Dr. J.F. Möller und Pfr. Schubart geweiht. Der Bau wurde an den Glockenturm angefügt, der im 17. Jahrhundert bereits hier oben auf der Klippe stand. Weil damals wegen der Ortsbebauung nach Osten hin kein Platz war, hat man das Kirchenschiff, entgegen dem sonstigen Brauch, nach Westen hin ausgerichtet.
1907 wurde der Mittelgang durch heraus sägen der bis dahin durchgängigen Bankreihen angelegt. Architektonisch bemerkenswert ist der Emporesaal mit Westapsis, errichtet in klassizistischen Stilformen.

Die zweimanualige Orgel wurde 1852 von Adolf Reubke aus Hausneindorf bereits nach Klangvorstellungen der Romantik erbaut und 1940 von der Gothaer Orgelbauanstalt Wiegand Helfenbein im Sinne des neobarocken Klangideals umdisponiert. Vor allem in der warmen Jahreszeit erfreuen Gastorganisten Urlauber und Einheimische mit ihren Konzerten.

Im Turm befindet sich ein Geläut mit 4 Glocken. Die älteste und größte Bronzeglocke wurde 1607 in Erfurt vom Gießer Möhring geschaffen. Die kleinste Glocke, ein Guss der Firma Schilling aus Apolda, kam erst nach dem 1. Weltkrieg, 1927, hinzu. Sie ist eine Stiftung zum Gedächtnis an den großen Erfinder und gläubigen Wohltäter der Gemeinde, Baurat Dr. Wilhelm Schmidt. Nachdem der Zweite Weltkrieg das Geläut wiederum um drei Glocken gemindert hatte, (eine kam später zurück) wurden zur Schließung der Lücken Eisenhartgussglocken in Auftrag gegeben. Die beiden mittleren Glocken, auch in Apolda gegossen, ergänzen seit 1956 das Geläut.
(Zwei der weggeholten Glocken waren in der Benneckensteiner Gießerei Stützer gegossen worden!) Im Jahre 2007wurden die stark korrodierten Hartgussglocken durch zwei Bronzeglocken der Glockengießerei Lauchhammer ersetzt. Möglich wurde das durch die große Spendenbereitschaft der Bevölkerung und anderer Institutionen.

Der Turm stand schon immer oben auf der Klippe und nicht wie üblich neben dem Gotteshaus. Er hatte die Brandkatastrophe von 1627 überstanden und diente zeitweise als Wohnung für den Mädchenschulmeister. 1894 bekam der ehemals wesentlich niedrigere Glockenturm seine heutige Gestalt.
Die gesamte Beschieferung des Turmes wurde durch die Wernigeröder Firma Johannes Pönitz von Grund auf erneuert und 1972 fertiggestellt. Die Stützkonstruktion der Turmspitze wurde 1991 durch die Firma Wendt aus Benneckenstein völlig erneuert, da die Turmspitze abzustürzen drohte. Im Zuge der Erneuerung wurden im Turmknopf 49 Münzen, Medaillen, Orden und Dokumente gefunden. Die älteste Münze trägt die Jahreszahl 1638. Weiterhin fanden sich preußische und französische Geldstücke.

Die drei Farbglasfenster im Altarraum wurden in der Glasmanufaktur Quedlinburg nach Entwürfen von Prof. Schultz hergestellt und 1907 von der quedlinburger Firma Ferdinand Müller eingesetzt .

Kurios sind auch einige Eigentumsverhältnisse:
Während der Kirchenbau Eigentum der Kirchengemeinde war, gehörte der Turm samt Uhr und die angebaute Sakristei der Stadt. Normalität trat erst nach einer vertraglichen Regelung 1935 ein.

Die beiden siebenarmigen Leuchter auf dem Altar wurden in Harzgerode aus Eichenholz geschnitzt.

Das Taufbecken aus Marmor wurde 1858 von Konfirmanden gestiftet.

Die letzte Innenrenovierung erfolgte 1986 nach der ursprünglichen Farbgebung durch die Firma Israel.

Im Jahre 2003 wurde anstelle der drei alten Eisenöfen eine Fußbodenheizung eingebaut, welche die Nutzung der Kirche bei dem rauen Oberharzer Klima erleichtert.

Der schlichte, schieferbeschlagene Fachwerkbau bildet seit 1852 den markanten Punkt in dem sich verändernden Ortsbild.

Freitags von 14.00 bis 16.00 Uhr ist die Kirche für Besucher zur Besichtigung und stiller Andacht geöffnet.
(Nur in den Monaten Mai bis September!)